Br. Petrus Böhler (1712-1775)

Peter Böhler

Peter Böhler

Auszüge aus dem Lebenslauf von Petrus Böhler, geboren den 31. Dezember 1712 zu Frankfurt am Main, heimgegangen den 27. April 1775 in Fetter Lane, London:

Böhler und Christian Renatus von Zinzendorf
„Gegen Ende des Jahres beabsichtigte Papa den einzigen Sohn Christel nach Jena zu schicken und mir die Sorge für sein Studium und die Wahl seiner Lehrer zu übertragen. Da gabs mancherlei durchzufechten.“(:156)

Böhlers Begegnung mit Wesley
„In London, wo ich den 18. Januar 1738 eintraf, suchte mich John Wesley auf, einen Brief von Töltschig aus Georgien an Papa abzugeben, den er mitgebracht hatte. Das gab Gelegenheit zu unsrer Bekanntschaft mit ihm; er besorgte uns ein Logis in Westminster, ohnweit des alten Mr. Hutton. Das war der Anfang zu der nachmaligen Bekanntschaft und der grossen Bewegung unter den Engländern. W. Neisser suchte die etlichen deutschen Bekannten auf, mit denen wir Stunden anfingen, die sich bald sehr vermehrten und dabei manches Herz für den Heiland gewonnen ward. Zu gleicher Zeit liefen mir die Engländer erstaunlich nach und ohnerachtet ich keine drei Worte englisch reden konnte, so wollten sie doch immer Saviour, Blood, Wound, Forgiviness of sin, Sinners friend* (*Erlöser, Blut, Wunden, Vergebung der Sünden, Sünderfreund) und dergl. von mir hören. Indessen gingen die beiden Wesleys, John und Charles, nach Oxford und nahmen mich dahin mit, führten mich bei ihren Bekannten ein und machten, dass ich in lateinischer Sprache wohl alle Tage ein oder zwei Mal eine Rede halten musste, ohne was in Privatunterredungen vorkam, so dass alles ganz unvermerkt die Gemüter einnahm. Gambolds Bekanntschaft schreibt sich von da her. Nach dreiwöchentlichem Aufenthalt ging ich am 21. März wieder nach London und hatte da Gelegenheit, mit den beiden Wesleys ausführlich zu reden, ihnen das Evangelium einzuprägen und sie zu bitten, nach der Gelegenheit, die Gott in Oxford und anderwärts gegeben, es wieder zu verkündigen.

Da eröffneten Sie mir ihre Zweifel, die sie hätten über die Wahrheit der Lehre der freien Gnade, und des Verdienstes Jesu, dadurch arme Sünder Vergebung und Freiheit von Sünden kriegten; der Heiland aber schenkte mir Gnade, sie aus der Schrift zu überzeugen, und es blieb ihnen nichts übrig, als solche Leute zu sehen, die das erfahren. Ich verwies sie nach London in Hoffnung, bei ihrer Hinkunft ihnen solche Personen zeigen zu können, denn mich wollten sie für solch ein Exempel nicht passieren lassen. Ich sollte also andere Zeugen bringen. Das geschah zu Anfang April – und so gingen wir beide wieder nach London. Dann nahm die Bewegung unter den Engländern immer mehr zu. Sie ladeten mich bald hierhin, bald dahin ein, und wo ich hinkam, versammelte sich bald ein Häuflein begieriger Seelen um mich herum, die mich immer wieder baten, ihnen etwas vom Heiland zu erzählen. Ja, ihr stürmisches Drängen ging soweit, dass ich mich in verschiedenen Sozietäten, die unter des Bischofs von London Leitung standen, einführen liess und dort redete, so gut ich eben englisch konnte. Alle, denen der Heiland das Herz auftat, die verstanden es und erhärteten es mit ihrem Zeugnis, die andern widerstritten es, aber ohne Erfolg.

Von derselbigen Zeit schreiben sich viele unserer Geschwister her, als Wests, Clargets, Orkley, Brown, Metcalf, Syms usw., vor allem aber Hutton. Da nun das Evangelium wie ein Lauffeuer in London zündete, kamen endlich die beiden Wesleys auch wieder nach London und wollten, dass ich ihnen etliche Leute zeigen sollte, die dergleichen Erfahrung hätten. Das geschah an einem Sonntag, da ich ihnen etwa ein halbes Dutzend solcher Personen, Deutsche und Engländer, brachte und weiter nichts tat, als ein Jedes erzählen liess, was es an seinem Herzen erfahren habe. Als das vorbei war, nahm John Wesley mich allein mit sich in seine Stube, fing an bitterlich zu weinen über sich selbst, dass er noch nichts davon erfahren habe, und bekannte sein Armsein am Geiste und wusste nicht vor Verlegenheit, was er tun sollte. Von der Zeit an war er wie ein Kind gegen mich. Er hatte dann etliche Predigten bestellt; da er nun zum ersten Mal nach dieser Begebenheit auf die Kanzel gekommen, soll er mit solcher Energie von dem gekreuzigten Heiland gepredigt haben, dass die etliche tausend wie vom Donner gerührt sollen gewesen sein. (156:158)

Böhlers Heimgang
„Am 19. April beschloss er sein Zeugnis von Jesu mit einer Predigt in der Londoner Kapelle über die Worte: „Halt im Gedächtnis Jesum Christum, der auferstanden ist von den Toten.“ Am 20. April, da er just die Gemeintexte sich ansah und die Gemeinversammlung in der Fetter Lane Kapelle halten wollte, wurde er plötzlich von einem Schlagfluss auf der rechten Seite gelähmt und zugleich ganz sprachlos. Man kam ihm wohl gleich mit allen möglichen Mitteln zu Hilfe, doch kam er nicht mehr recht zu sich, sondern meist in einem süssen Schlummer, bis man am 26. nachmittags deutlich sehen konnte, dass der Herr mit ihm zur Ruhe eile. Es wurde ihn dann am 27. April um 1 Uhr in der Nacht der Segen des Herrn und der Gemeine zu seiner Heimfahrt erteilt, und er ging ½ 6 Uhr morgens in die Arme seines Erlöser über, unter einem unbeschreiblich seligen Gefühl der nahen Gegenwart seines Herrn, an eben dem Tage, da er gedacht hatte, von England abzureisen.
Sein Alter hat er gebracht auf 62 Jahre, 3 Monate und 27 Tage. (:166)“

Quelle: Mitteilungen aus der Brüder=Gemeine zur Förderung christlicher Gemeinschaft. Nr. 5, September, Oktober 1931. Seite 154-166.

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