Predigt am 4. Advent 2011 zu 2. Korinther 1,18-22 in der Brüdergemeine Königsfeld

Kirchensaal Brüdergemeine Königsfeld, Anfang Dezember 2011

Kirchensaal Brüdergemeine Königsfeld, Anfang Dezember 2011

2.Korinther 1,18-22
18 Gott ist mein Zeuge, dass unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist. 19 Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm. 20 Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe. 21 Gott ist’s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt 22 und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

Die Zeiten ändern sich! Umso älter wir werden, desto mehr wird uns das bewusst. Und dieses Jahr müssen wir uns sogar alle sagen lassen, dass es mit Weihnachten nicht mehr so ist wie früher . Weihnachten wird dieses Jahr ganz anders werden. Weihnachten wird unter dem Baum entschieden werden. So verheißt es uns eine große Elektromarkt-Kette in ihrer omnipräsenten Werbung. Dazu liefert sie uns auch seit Wochen, das dazugehörende Bildmaterial: Kinder und Erwachsene, die sich unter dem Weihnachtsbaum mit dem besten, grössten und angesagtesten Spielzeug oder Geschenk messen. An Weihnachten wird es dieses Jahr darum gehen, wer das tollste und teuerste Geschenk erhält. Weihnachten wird unter dem Baum entschieden.

Christen im deutschsprachigen Raum haben sich entsprechend empört, die Kirchen waren entsetzt und in Facebook wurde die Gegen-Veranstaltung Weihnachten wird in der Krippe entschieden gegründet und zählte bis heute Morgen (18. Dezember 2011) 34‘000 Mitglieder. Dieser Werbespruch, der wie eine Verheissung daher kommt, hat einiges bewirkt, vor allem hat er wahrscheinlich viel Geld in die Kassen des Konzerns gespült und wir Christen haben uns für unseren Glauben einsetzen dürfen: Weihnachten wird eben in der Krippe entschieden! Ob das wirklich stimmt, dem wollen wir heute Morgen anhand des Predigttexts nachgehen.

Der Text kommt etwas hochphilosophisch daher. Liest man den Text einfach so, kann man erst mal nicht viel damit anfangen, denn er ist völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Deshalb eine kurze Erklärung, in welcher Situation sich Paulus hier befindet. Paulus hatte den Korinthern versprochen, dass er sie besuchen würde. Er sagte diesen Besuch dann aber ab, die Korinther waren sauer und warfen ihm vor wortbrüchig zu sein, man könne sich ja auf diesen Paulus gar nicht verlassen. Die sagten auch: „ja, wie ist das denn mit den anderen Sachen, die er uns gesagt hat, das Evangelium, das er uns gepredigt hat, ist das überhaupt wahr?“ Wenn man sich auf das Wort des Paulus nicht verlassen kann? Das ist der Rahmen, in dem sich der Predigttext abspielt und was ich heute versuche auszulegen, ist Paulus Antwort auf diese Vorwürfe. Er beginnt in Vers 18:

18 Gott ist mein Zeuge, dass unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist.

Gott ist mein Zeuge bedeutet so viel wie: Gott ist treu. Paulus beruft sich hier auf die Treue Gottes und weil Gott treu ist, ist es auch sein Diener, also Paulus selbst. Er meint, dass sein Ja genau so wahr ist, wie das uneingeschränkte Ja Gottes zu den Menschen. Paulus sagt zwar Nein zu seinem Besuch in Korinth, aber dies bedeutet keinesfalls, dass er damit auch Nein zur Gemeinde in Korinth sagt, sein Ja zur Gemeinde in Korinth ist und bleibt ein Ja. Bei diesem Ja geht es nun nicht darum, ob Paulus entscheidet, ob er die Gemeinde besucht, oder nicht, sondern dieses Ja geht viel tiefer. Es geht um das Ja Gottes zu uns. Aus dieser Zusage lebt Paulus, aus ihr heraus verkündigt er das Evangelium und deshalb steht die Gemeinde in Korinth auch unter diesem Ja. Und er schreibt weiter, in Vers 19:

19 Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm.

Das Evangelium, die frohe Botschaft des Sohnes Gottes Jesus Christus! Dieser Christus ist nichts anderes als Gottes großartiges, allumfassendes JA zu unserer Rettung und zur Rettung der ganzen Welt. Es war Ja in ihm, schreibt Paulus. Jesus war während seiner Erdenzeit das gelebte Ja Gottes. Jesus erbarmte sich aller. Jesus predigte nicht Ja und Nein. Sondern nur Ja. Er sagte Ja zum Zöllner und zum Pharisäer, er rief Israel und sandte zugleich seine Jünger zu allen Völkern. Bei Jesus gibt es keine Selektion, er sortiert nicht aus. Nur wir Menschen, wir machen das. Aber Jesus sortiert nicht aus. Seine Gnade gilt auch nicht bloß einer ausgesuchten Elite, nein! – sie gilt allen Menschen! Jesus Christus ist am Kreuz gestorben. Nicht nur für uns hier. Für alle. Jesus hatte allerdings auch ein Nein. Sein Nein gilt dem Bösen – sein Nein gilt dem Tod – sein Nein gilt der Sünde. Aber Jesu Ja ruft alle Menschen in das Heil Gottes. Paulus schreibt weiter in Vers 20:

20 Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe.

Ein wunderbarer Vers. Ich habe den in meiner Predigtvorbereitung immer und immer wieder gelesen und bin dabei bei den Verheißungen Gottes hängengeblieben. Ich dachte, ja – die Verheißungen Gottes – da gibt es ja so einige. Dann habe ich angefangen mich daran zu erinnern, was Gott uns denn in der Bibel alles verheißt. Die wichtigsten kamen mir schnell in den Sinn. Gott verheißt uns das ewige Leben, er vergibt uns unsere Sünden, er erhört unsere Gebete, die Toten werden auferstehen, wir haben die Sicherheit geliebt zu werden, wir werden von Sorgen befreit, Christus wird wiederkommen , uns wird Kraft zum Zeugnis geschenkt, wir werden getröstet und beschützt. Also schon mal ein üppiger Strauß an Zusagen. Dann fing ich an, in meiner Bibel nach Verheißungen zu suchen. Diese schrieb ich mir auf, die Bibelstelle und den Text dazu. Das machte ich immer mal wieder zwischendurch und war nach drei Tagen erstaunt, dass da 22 Seiten vollgeschrieben waren. 120 Verheißungen und ich hatte eigentlich erst an der Oberfläche gekratzt. Ich dachte mir, wenn ich jetzt zu all diesen Stellen eine kurze Andacht schreiben würde und das veröffentlichen würde, gäbe das vielleicht noch eine nette Sache. Ich war ganz beeindruckt von meiner Liste. 120 Verheißungen!

Dann habe ich mal im Buchhandel nachgeforscht, was über Gottes Verheißungen schon geschrieben wurde und stieß dabei auf ein Buch mit dem Titel: Was Gott dir versprochen hat…: und der Untertitel lautete: Mehr als 800 Verheißungen ausgewählt und nach Themen zusammengestellt von David Wilkerson. Da fühlte ich mich dann doch wieder plötzlich ganz klein. Aber diese Zahl 800 hat etwas in mir ausgelöst! Und zwar ist mir bewusst geworden, dass ich ganz viele Verheißungen Gottes nicht kenne, oder beim Bibellesen darüber hinweg gelesen habe und mir gar nicht bewusst wurde, dass es sich beim Gelesenen um eine Verheißung gehandelt hat. Dann wollte ich es natürlich wissen. Wie viele Verheißungen unseres Herrn an uns Menschen stehen in der Bibel? Ich habe weiter geforscht und bin auf die unglaubliche Anzahl von 7’487 Verheißungen Gottes an uns Menschen gestoßen. Natürlich habe nicht ich, sondern jemand anders all diese Verheißungen ausfindig gemacht. Da fühlte ich mich wieder etwas besser, mindestens gegenüber David Wilkerson, der auch bloß 800 gefunden hatte. Aber es ist nicht das Wichtigste, dass wir alle Verheißungen Gottes kennen, sondern das wichtige dabei ist, dass Gott alle seine Verheißungen kennt und sie auch erfüllen wird.

Ihr habt alle am Eingang einen Zettel mit einer Verheißung Gottes erhalten. Die 120 Stellen, die ich gefunden habe wurden unter euch verteilt. Darunter sind ganz kurze Sätze, zwei bis drei Verse, aber auch ganze Psalmen oder nur Teilsätze und irgendwo sind zwei Hälften des Psalms 23 unterwegs, da habe ich mich nämlich verschnippelt. Ich möchte Euch heute Morgen eine Verheißung Gottes mit nach Hause geben. Vielleicht ist es eine Verheißung, die ihr noch nicht kennt und vielleicht habt ihr auch Lust in der Bibel nach den anderen 7486 Verheißungen zu suchen. Also mich hat diese Vielfalt und Anzahl sehr beeindruckt und ich bin eigentlich noch immer überwältigt davon.

Und in all diesen Verheißungen ist das Ja Christi, so schreibt es Paulus. Alle diese Verheißungen werden erfüllt sein, wenn der Herr wiedergekommen sein wird. Ihr könnt also sicher sein, dass das, was auf eurem Zettel steht, Gott auch erfüllen wird. Christus ist das endgültige Wort Gottes, er ist das endgültige Ja Gottes, dem Ja, das uns rettet und dem Ja uns zum Heil. Gottes Ja gilt in der christlichen Gemeinde bedingungslos, eben bei den Menschen, die sich versammelt haben und miteinander das Amen sprechen können und als Gemeinde Gott loben, ihn anbeten und seine Herrlichkeit preisen. Der Schluss des Predigttextes setzt dem allen noch die Krone auf. Paulus schreibt:

21 Gott ist’s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt 22 und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.

Und mit diesen beiden Versen sind wir auch wieder am Anfang der Predigt angelangt. Bei diesem Elektronik-Riesenkonzern, der behauptet, dass Weihnachten unter dem Baum entschieden wird. Der gewährt dem Käufer eine Garantieleistung innerhalb einer bestimmten Frist auf das gekaufte Produkt. Irgendwann verfällt diese Garantie und dann muss man im Falle eines Defekts selber entscheiden, ob man das kaputte Teil auf eigene Kosten reparieren lassen möchte, oder nicht. Gott gibt uns in diesen Versen auch eine Garantie. Nämlich eine ewige! Er garantiert für alles, für alle Verheißungen! Er garantiert mit Jesus Christus. Dazu hat er uns auch noch gesalbt. Diese Salbung steht für die Gabe des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist uns an die Seite gestellt, bis Jesus wiederkommt. Und wir sind auch noch versiegelt, das meint dass wir endgültig Gottes Eigentum sind. Als Anzahlung hat Gott uns den Heiligen Geist als Unterpfand gegeben, bis alles vollendet sein wird. Der Heilige Geist ist die Anzahlung für den vollen Kaufpreis, der noch nicht bezahlt ist. Die endgültige Vollendung des Heils im Gottesreich wird ewige Fülle, Friede und Heil sein. Dieser Grosskonzern kann mit seinem Spruch Weihnachten wird unter dem Baum entschieden einpacken. Das ist keine Verheißung, das ist einfach eine Anmaßung. An Weihnachten kommt es nicht auf die Kaufkraft an und nicht auf das größte, schönste und beste Geschenk. An Weihnachten wurde Gott Mensch, wurde Jesus Christus geboren zum Heil der ganzen Welt und aus der Gnade Gottes zu allen Menschen auf der Welt. Ich möchte aber auch der Gegenbewegung etwas entgegenhalten, auch wenn ich sie prinzipiell unterstütze: Weihnachten wird in der Krippe entschieden. Ja, Jesu Menschwerdung ist absolut wichtig! Aber ich sage auf dem Hintergrund des Wissens um Gottes Verheißungen und deren Erfüllung: Weihnachten ist bereits entschieden!

Amen.

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