Weltgebetstag der Frauen 2013, kurze Predigt über Matthäus 25,31-40, Katholische Kirche Urberg

Urberg (Gemeinde Dachsberg, Südschwarzwald)

Urberg (Gemeinde Dachsberg, Südschwarzwald)

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

die Botschaft, die wir in der Lesung aus Matthäus 25,31-40 gehört haben, richtet sich nicht nur an bestimmte Auserwählte, sondern sie geht uns alle etwas an. Im Text geht es um das Endzeitgericht, um den Weltenherrscher und um rechtmässige Vergeltung. Das mag in unseren modernen Ohren erst einmal fremd klingen, auch weil der Begriff Gericht nicht immer unbedingt angenehme Assoziationen birgt. Niemand von uns wird gern gerichtet und selbst Urteile zu fällen, fällt uns manchmal auch schwer. Das Gute am Weltgericht ist, dass wir nicht selbst richten und über andere das Urteil fällen müssen, sondern dies ist ausschliesslich die Angelegenheit Gottes. Wir haben eine andere Aufgabe. In diesem Bibeltext geht es nicht um die Möglichkeit einer besonders günstigen Berechnung, wie man vor einem Gericht bestehen kann, sondern um eine ganz bestimmte Lebenshaltung.

Im Text wird von Jesus selbst aufgelistet, worum es geht. Es geht darum, Hungrige zu speisen, Durstigen zu trinken zu geben, Fremde aufzunehmen, Nackte kleiden, Kranke aufrichten und Gefangene besuchen. Es geht um die Wahrnehmung und die Aufmerksamkeit unseren Mitmenschen gegenüber. Wenn wir uns die Liste genauer anschauen, dann merken wir Frauen relativ schnell, dass dies Dinge sind, die traditionellerweise von Frauen getan werden. Nähren, begleiten, kleiden, trösten. Das sind Fähigkeiten, die wir gelernt haben oder weil wir einfach eine gewisse Begabung dazu haben. Und wir Frauen wissen auch, dass diese Tätigkeiten sehr oft von unserem Umfeld gering geschätzt werden.

Im Text steht auch: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“ Jesu Gegenwart wird in diesen gering geschätzten und missachteten Aufgaben lebendig. Mit unserem Handeln, unseren Gesten vergegenwärtigen wir das Reich Gottes und lassen es Wirklichkeit werden. Wir sollten wirklich aufhören mit der Geringschätzung dieser Taten, denn Christus selbst sieht in ihnen Zeichen der Fürsorge, der Achtsamkeit und Aufmerksamkeit. Damit nehmen wir ihn selbst in unser Leben auf, in unser Leben, in unsere Welt. Das Thema des Weltgebetstags spitzt dies sogar noch zu: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.“ Hier geht es um die konkrete Aufnahme von Fremden, von uns persönlich aber auch durch die Gesellschaft, durch unser Land. Wir sollten dafür aufmerksam sein, ob diese Aufnahme auch wirklich stattfindet, und wenn nicht, dann sollten wir sie laut und deutlich verlangen. Ich weiss, manchmal wird uns das auch zu viel, denn ich oder mein Land kann ja nicht für das ganze Übel der Menschheit aufkommen. Oder wir haben Angst davor ausgenutzt und betrogen zu werden. Aber in diesem Text geht es eben um das konkrete Tun, nicht um das berechnende Handeln, das Abwägen von dafür und dawider, bringt es mir etwas, schadet es  mir sogar? Jesus geht es um das konkrete Tun, ohne lange Erörterung. Es geht um die Menschlichkeit und um die Gegenwart Christi. Der Herr bietet uns seine Gemeinschaft schon hier und jetzt an, nicht nur erst am Ende der Zeiten, sondern hier, jetzt und heute.

Jesus Christus steht an der Seite der Fremden, er ist bei den Schwachen, er ist bei den Geltungslosen. Und, liebe Schwestern, liebe Brüder, auch wir selbst können ganz schnell zu Fremden werden.

Wir leben nur eine begrenzte Zeit auf dieser Erde und wir sind darin zur Verantwortung aufgerufen, die Situation unserer Mitmenschen wahrzunehmen und sie zu unterstützen. Die Tragweite unserer Taten können wir nie selber ermessen, das liegt in Gottes Hand und so leben wir in vollem Vertrauen auf Jesus Christus. Die Zeit der Verantwortung hier auf Erden ist nichts anderes als die Zeit der Gnade. Unser Leben ist eine Zeit des Handelns und Gebens ohne Hintergedanken und Berechnung. . Lasst uns den Wert der helfenden, so weiblichen Handlungen der Aufmerksamkeit für die Mitmenschen erkennen. Beten wir darum, dass der Herr uns führt in unserem Alltag, in unseren Gedanken und Handlungen, damit die Gegenwart Gottes in unser Leben einzieht.

Amen.

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